Shedhalle Zürich, Unter Strom
Unter Strom. Kunst und Elektrizität
8. Oktober – 18. Dezember 2011
Kuratorinnen: Anke Hoffmann und Yvonne Volkart
KünstlerInnen: Julieta Aranda, Evelina Domnitch & Dmitry Gelfand, HeHe, Christina Hemauer & Roman Keller, Hörner/Antlfinger, Karl Heinz Jeron, Party Manual, Jan-Peter E.R. Sonntag, Alexander Tuchacek (knowbotic research), Clemens Winkler
Eröffnung 7. Oktober, 19 Uhr mit Performances von Karl Heinz Jeron (Fresh Music for Rotten Vegetables) & von Hemauer/Keller (Die Unfreiheit der Elektronen) & von Alexander Tuchacek (Temporäre Präsenzen - Freie Energien) & Party Manual mit Selfempowered DJing
mit SolarBierBar und Herbstbuffet vom Riglehof, Densbüren/Aargau
Mit der radioaktiven Kontamination in Fukushima und der nur wenige Wochen darauf folgenden 25-Jahr-„Feier“ des Störfalls in Tschernobyl ist der Weltöffentlichkeit mit einem Schlag wieder bewusst geworden, dass Strom nicht einfach nur aus der Steckdose kommt und zum endlosen Gebrauch bestimmt ist. Strom ist vielmehr eine umkämpfte Ressource, die grösstenteils gefahrvoll und unnachhaltig hergestellt wird. Elektrischer Strom ist ein tausendfach genutztes Gut und eine kommerzielle Ware, aber auch eine geheimnisvolle Kraft und unsichtbare Energie, deren tatsächliches Funktionieren wir auch heute noch kaum verstehen oder erklären können.
Hintergrund für die künstlerische Beschäftigung mit Strom als Ressource und naturwissenschaftliches Phänomen sind die Herausforderungen von Klimawechsel, globaler Energiepolitik und der Einsicht, dass Probleme dann in die Hand genommen werden sollten, solange noch Handlungsspielraum besteht. In der Schweiz sind es z. B. aktuelle Bezeugungen wie diejenige zur „2000-Watt-Gesellschaft“, die dem stetig wachsenden Stromverbrauch entgegen wirken sollen. Andere Unternehmungen konzentrieren sich auf die Entwicklung nachhaltiger Energiemodelle, die den weltweiten Anstieg des Stromverbrauchs weiterhin garantieren sollen. Obwohl das Nachdenken über andere, nachhaltigere Lebensmodelle eher unattraktiv erscheint, sind wir der Meinung, dass die energiepolitischen Probleme nicht nur auf der Basis neuester Technologien oder Ingenieursleistungen gelöst werden können. Vielmehr ist auch ein Umdenken erforderlich; und gerade da kann auch die Kunst systematisch einsetzen.
Und dennoch oder gerade deswegen möchte sich dieses Ausstellungsprojekt dem Phänomen des Stroms nicht primär kritisch oder edukatorisch annähern, sondern vielmehr lustvoll und offen, und somit unsere Sinne für Verborgenes und Nicht-Selbstverständliches öffnen. Es geht darum, in unterschiedlichen Formaten den vielfältigen und faszinierenden Dimensionen des Stroms und der Elektrizität nachzugehen. Die KünstlerInnen spüren mit ihren Arbeiten einerseits die Geschichten und Widersprüche politischer, ökonomischer und sozialer Interessen auf und lassen sich anderseits von der geheimnisvollen Atmosphäre und dem Unverständlichen und Verstörenden dieser „unsichtbaren Kraft“ inspirieren. Dabei arbeiten einige von ihnen zum Teil sehr bewusst mit dem Strom als „Kunstmaterial“. Ziel des Projekts ist es, unsere Beziehung zur Elektrizität und zur Selbstverständlichkeit unserer Stromversorgung zu überdenken, in einen historischen Kontext einzubetten und neue Erfahrungen damit zu machen. Nicht zu kurz kommen sollen dabei auch zentrale, technische-soziale Fragen wie „Was ist eigentlich Strom? Was ist Leistung? Wie viel Energie brauche ich im Alltag? Oder wie kommt es denn eigentlich dazu, dass ich immer mehr brauche und das ganz normal finde?
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- Published:
- 10.03.11 / 6pm
- Category:
- Aktuell


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